Gemeinsam zum Erfolg

null Gemeinsam zum Erfolg

Gemeinsam zum Erfolg

Der Slogan ist im Planungs- und Bauwesen in aller Munde. Wir alle sind uns einig, dass der langfristige Erfolg unserer Projekte und unserer Branche nur gemeinsam sichergestellt werden kann! Wir werden nicht müde, Planungsinstrumente und -prozesse, Tools und Regelungen zu kreieren, technische und reglementarische Voraussetzungen zu schaffen, damit wir uns an diesem Slogan ausrichten können. Denken wir dabei nur an:

  • BIM als Arbeitsmethode für die vernetzte Planung mit digitalen Instrumenten, dem Arbeiten an und mit einem gemeinsamen Modell. Der Einstieg in BIM erfordert die Bereitschaft, individuelle Gewohnheiten über Bord zu werfen, sich auf neue Zusammenarbeitsprozesse einzulassen, die Bereitschaft zur Teilung von Daten und Know-how, die Bereitschaft sich zu öffnen und auf eine enge, partnerschaftliche Zusammenarbeit einzulassen.

oder ...

  • Partnerschaftliche Zusammenarbeits- und Vertragsmodelle wie z.B. die zunehmend auch im Infrastrukturbau angewandten Total- und Generalunternehmermodelle oder vor allem das im Ausland bereits erprobte Modell der Projektallianz. Der Einstieg in diese Modelle erfordert die Bereitschaft, sich in eine Partnerschaft, die dasselbe Ziel verfolgt einzubringen, eine Partnerschaft, die umso mehr Nutzen generiert, desto mehr Partner des Planungs- und Bauprozesses darin eingebunden sind, wie im Extremfall auch der Bauherr bei der Projektallianz.

All diese und noch viele weitere derartige Anstrengungen sind sehr lobenswert und gehen in die richtige Richtung. Doch wo stehen wir in der Realität?

Ein paar Statements aus der Branche:

  • Gute Fachleute werden durch rüden, unmenschlichen und unfairen Umgang und fehlende Kompetenz massgebender Personen im Projekt abgeschreckt und verlassen die Branche
  • Die Zahl der Streitigkeiten in den Projekten nach der Mentalität, zuerst einen Schuldigen zu suchen statt sich der Herausforderung mit der Suche nach Lösungen anzunehmen braucht Zeit, Ressourcen und nagt an der Motivation der Beteiligten
  • Stures Festhalten an festgeschriebenen Vorgaben, statt individuellem Einsatz der eigenen Kompetenz, dem ingenieurmässigen Denken und Handeln verhindert oder verzögert die Lösungsfindung. Bei der Fülle von Gesetzen, Richtlinien, Handbüchern und sonstigen Vorgaben ist es nur normal, dass sich im konkreten Projekt Widersprüche und Unklarheiten ergeben, die es gemeinsam im Sinne des Projektes zu bereinigen gilt.

All die guten Instrumente und die zur Schau getragenen Einsichten zeigen jedoch nur ihre Wirkung, wenn alle am Prozess Beteiligten das Miteinander auch tatsächlich verinnerlichen und sie die konstruktive Zusammenarbeit auch wirklich wollen.Wie obige Statements zeigen, sind wir davon noch meilenweit entfernt.

Prozesse, Instrumente und Regelungen sind der Rahmen, in dem Projekte abgewickelt werden. Ob die Projekte gemeinsam zum Erfolg geführt werden können, hängt jedoch massgeblich von den beteiligten Menschen ab. Darauf gilt es bei der Auswahl der Projektteams über alle Rollen hinweg zu achten. Die Zusammensetzung desTeams und ihrer Mitglieder mit ihrer Sozialkompetenz,Teamfähigkeit und ihrer fachlichen Kompetenz sind von zentraler Bedeutung.

Gemeinsame Ausrichtung auf das Ziel

Das Miteinander erfordert eine gemeinsame Ausrichtung auf das Ziel, ein Ziel, das es gemeinsam unter Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligten zu definieren gilt. Berücksichtigt das gemeinsam erarbeitete Ziel die Individualinteressen der Beteiligten in ausgewogenem Masse, so können sich auch alle Beteiligten voll und ganz hinter dieses Ziel stellen und ihr Handeln gemeinsam darauf ausrichten.

Um dies zu erreichen sind Toleranz, Offenheit, gegenseitiges Vertrauen,Verständnis für die Interessen der Beteiligten und die Bereitschaft, sich als Person aktiv ins Projekt einbringen zu wollen und damit Teil des Teams zu werden unabdingbar. Sollte dies trotz aller Bemühungen des Teams nicht möglich sein, darf nicht davor zurückgeschreckt werden, Personen, die diesen Anforderungen nicht genügen, im Projektteam zu ersetzen, sei es beim Unternehmer, sei es beim Planer oder aber auch beim Bauherrn. Ein derartiger Schritt ist immer im Hinblick auf den Projekterfolg und den persönlichen Schutz der Projektbeteiligten zu betrachten und soll auch so verstanden werden. Ein derartiger Schritt braucht Ehrlichkeit und Mut des Vorgesetzten und das Verständnis der Betroffenen, die einen derartigen Schritt nicht als persönliche Niederlage, sondern als Teil zur persönlichen Entwicklung betrachten.

Wir sehen, es wäre ganz einfach, das Miteinander zu leben und zu praktizieren.Wir müssen es nur wollen. Selbstverständlich sind mit dem «wir» alle am Projekt Beteiligten gemeint, Bauherren, Planer, Unternehmer und vor allem die beteiligten Menschen.

Um dem Miteinander und damit unserem gemeinsamen Erfolg einen Schritt näher zu kommen, ergeben sich ein paar ausgewählte Forderungen:

  • Bauherrschaften schaffen Projekte, in denen partnerschaftliche Modelle angewendet werden und Erfahrungen gesammelt werden können und realisieren diese unter vollem Einbezug ihrer eigenen Organisation. Sie wählen die Projektbeteiligten inkl. ihrer eigenen Vertreter verstärkt nach qualitativen Kriterien aus und teilen die gemachten Erfahrungen.
  • Unternehmungen fördern eine Kultur des fairen Umgangs, der Offenheit, Transparenz und der gemeinsamen Ausrichtung auf das Projektziel. Sie schaffen damit die Voraussetzung, dass unsere jungen Talente motiviert und gefördert werden und erfahrene Fachkräfte langfristig in der Branche bleiben. Sie unterstützen die Bauherrschaften bei ihren Bestrebungen in der Anwendung partnerschaftlicher Modelle.
  • Führungspersonen und Fachleute engagieren sich, egal in welcher Rolle, voll für das Projekt und den Projekterfolg und zeigen Offenheit und Bereitschaft sich aktiv als Teil des Teams einzubringen. Sie teilen ihr Wissen und ihre Erfahrungen im Sinne des Projektes. Sie tragen damit dazu bei, dass Herausforderungen gemeistert und gemeinsam optimale Lösungen im Sinne des Projektes gefunden werden können.
  • Bildungsinstitute richten ihre Aus- und Weiterbildungen neben der fachlichen Themen vermehrt auf die Grundlagen für ein erfolgreiches Miteinander aus und fördern die dazu erforderlichen Sozial- und Prozesskompetenzen

Die Fakten wären auf dem Tisch, Lösungsansätze sind bekannt. Nun müssen wir nur noch wollen! Jede Anstrengung in diese Richtung, jedes Projekt in dem diese Philosophie gelebt
wird, führt uns gemeinsam einen Schritt weiter in Richtung unseres Erfolgs.

Verfasst von: Frank Straub, Dipl. Bauingenieur ETH, Verwaltungsrat der F. Preisig AG Bauingenieure und Planer, Zürich, Geschäftsführer Frank Straub AG, Management und Bauberatung, Würenlingen, Mitglied des usic Vorstandes, Leiter Arbeitsgruppe Bildung